Die von der CDU-Landesregierung ins Gesetzgebungsverfahren eingebrachte 3. Novelle des hessischen Schulgesetzes ist ein Schritt rückwärts,” resümiert die SPD Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender für den Kreis Offenbach nach einer ersten Auswertungsrunde mit BildungspolitikerInnen vor Ort.
Insbesondere die geplante Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe sei der pädagogisch falsche Weg. Für Pauly-Bender drängt sich der Eindruck auf, dass es Koch und Wolff vielmehr darum geht, über das Instrument der Schulzeitverkürzung den kooperativen Gesamtschulen und den Förderstufen den Todesstoß zu versetzen.

Pauly-Bender appelliert an die Kultusministerin, zum nächsten Schuljahr die Klassengrößen nicht noch weiter zu erhöhen, wie dies im letzten Jahr praktiziert wurde.
Auch bei den gegebenen Wahlversprechen habe die CDU-Landesregierung dringenden Nachholbedarf; so gebe es allenfalls eine theoretische Garantie auf Unterricht. „Gleiches bei den Lehrerstellen: Statt ihr Wahlversprechen von zusätzlichen 500 Lehrerstellen umgehend umzusetzen, wurden erst einmal 1.000 Lehrerstellen gestrichen”, kritisiert Pauly-Bender.
Die Folge hiervon sind mehr Wochenarbeitszeit für Lehrer sowie weniger
Unterricht für Schüler und weniger Unterrichtsqualität.

Sprachlehrer zu Physiklehrern umfunktionieren zu wollen, gehe auf Kosten der Qualität; Stundenerhöhung helfe weder im Falle der Erkrankung von Lehrkräften noch in Fällen der notwendigen Schwangerschaftsvertretung. Die Doppelklassenverantwortung für die Lehrer gehe auf Kosten der betroffenen Klassen und das Gefeilsche um die stundenweise Versorgung für die Integrationsklassen liefen letztlich auf eine Versorgungsschmälerung hin.

Die Beantwortung ihrer förmlichen Anfrage an die Landesregierung zur Unterrichtsversorgung in den Städten und Gemeinden des Kreises Offenbach liege in Wiesbaden seit Dezember 2003 in skandalöser Weise auf Eis!

Gefragt wurde bereits damals unter anderem

  • nach Lehrerzuweisungen an die einzelnen Schulen,
  • nach Sonderzuweisungen an die einzelnen Schulen,
  • nach gemeldeten Fehlstunden
  • nach der Anzahl der Vertretungsstunden, die garantiert werden können,
  • nach der Anzahl der Fälle, in denen LehrerInnen eine Doppelzuständigkeit für zwei Klassen haben,
  • nach der Verteilung der gestrichenen Stellen auf die einzelnen Schulen im Kreis Offenbach.

Die Form, wie sich die Landesregierung durch Nichtbeantwortung von Abgeordnetenfragen aus dem Bild bringen wolle, sei nicht hinnehmbar, habe aber bei genauerem Hinsehen System:
„Die derzeitige Bildungs- und Schulpolitik der Hessischen Landesregierung führt uns zurück in die 50er Jahre. Das dreigliedrige Schulsystem wird still und leise ausgebaut und zementiert”, stellt die SPD Politikerin fest.
„Dies sind die falschen Konsequenzen aus der Pisa-Studie. Vielmehr muss längeres gemeinsames Lernen im Mittelpunkt einer umfassenden Schulstrukturreform stehen. Dafür stehe ich und die SPD im Land und im Landkreis”, so Pauly-Bender abschließend.
Mit einer öffentlichen schulpolitischen Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der SPD Seligenstadt am 27.5. 2004 will die Abgeordnete unter anderem über die umstrittenen Novelle des Hessischen Schulgesetzes informieren. Zu Gast wird sein die schulpolitische Sprecherin der SPD Landtagsfraktion Heike Habermann.