Auf Einladung der SPD Jügesheim und der Rodgauer Landtagsabgeordneten Dr. Judith Pauly-Bender fand vergangene Woche eine Diskussion zum Thema „Eine Ganztagsschule für jedes Kind?“ in Jügesheim statt. Sowohl bei den Referenten als auch in den Beiträgen der anwesenden Gäste zeigte sich eine große Einigkeit über die Notwendigkeit von Ganztagsschulen für eine qualitativ gute und zukunftsfähige Bildung der Kinder in Deutschland.

Dabei wurde seitens der anwesenden Schulleiter bereits bestehender Ganztagsschulen im Kreis Offenbach das Vorurteil ausgeräumt, Ganztagsschulen seien nur für Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten gedacht. Das Angebot im Kreis Offenbach würde auch von bildungsnahen und besserverdienenden Elternhäusern gerne wahrgenommen und stelle keineswegs eine Gefahr für die Familiengemeinschaft dar. Im Gegenteil, Ganztagsschule und Familie ergänzten sich durch ihre unterschiedlichen Erfahrungsräume, resümierten die Schulleiter.
Im laufenden Schuljahr gibt es im Kreis Offenbach 17 ganztägig arbeitende Schulen, davon 6 gebundene Ganztagsschulen, 2 offene Ganztagsschulen und 11 mit pädagogischer Mittagsbetreuung. Das Modell der pädagogischen Mittagsbetreuung sei zwar ein Anfang, so waren sich alle Anwesenden einig, könne aber nur der erste Schritt hin zu einer gebundenen Ganztagsschule sein. Die 4 Milliarden Euro, die die Bundesregierung für den Ausbau von Ganztagsschulen zur Verfügung gestellt hat, sind daher willkommen, um die Voraussetzungen in Bau und Einrichtung von Ganztagsschulen zu schaffen. Die bürokratischen Hürden und schleppende Abrufung der Bundesmittel durch das Land Hessen (Hessen hat erst 6,2% der ihm zur Verfügung stehenden Mittel abgerufen und liegt damit auf dem vorletzten Platz im Ländervergleich, der Durchschnitt aller Bundesländer liegt bei 26,5 %) fand daher kein Verständnis bei Eltern, Schülern und Lehrern.
Aber auch die fehlende Bereitstellung der Landesregierung von zusätzlichem Lehrerpersonal für die Ganztagsschule wurde kritisiert. „Was nutzt es uns, wenn wir zwar die Räume haben, aber keine Lehrer?“ fragte eine Schulleiterin, da sei der Einstellungsstopp, den die Hessische Landesregierung für Lehrer verhängt habe, doch ein Signal in die falsche Richtung. Dr. Judith Pauly-Bender konnte dem nur zustimmen: „Anstatt ein Schloss für über 16 Millionen Euro zu kaufen, sollte die Landesregierung im Bereich Bildung einen Schwerpunkt setzen, das Geld dort investieren und ihrerseits durch mehr Lehrer den Ausbau von Ganztagsschulen unterstützen“.
Die eigenständigen Initiativen der Eltern und Schulleitungen im Kreis Offenbach auf dem Weg zur Ganztagsschule begrüßte Dr. Judith Pauly-Bender, forderte aber auch die politischen Kräfte im Kreis Offenbach dazu auf, diese zu unterstützen. Gleichzeitig appellierte die SPD-Abgeordnete aber an alle Eltern, Schüler und Lehrer, sich weitere Unterstützungsgruppen außerhalb der Schulen und der Politik für den Ausbau von Ganztagsschulen zu suchen. Dabei nannte sie drei Gruppen, die ebenfalls von der Ganztagsschule profitieren: Familien unter der Fragestellung „Was brauchen sie für ihre Alltagsbewältigung?“, im sozialen Bereich Beschäftigte unter dem Gesichtspunkt „Bildung als Hilfe zur Selbsthilfe“ und schließlich die Wirtschaft, denn in einem Rohstoffarmen Land wie Hessen, seien die wichtigste Ressource für die Wirtschaft, Menschen mit guter Bildung. Das zeige auch auf, weshalb Bildungspolitik eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, daher müsse auch gesamtgesellschaftlich für eine zukunftsfähige Bildungspolitik eingetreten werden, so Dr. Pauly-Bender.

Die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Judith Pauly-Bender, fordert die Hessische Landesregierung auf, ein Zeichen der Vernunft zu setzen und dem vom Bundestag beschlossenen Antidiskriminierungsgesetz (ADG) nun wenigstens im Bundesrat zuzustimmen. Die CDU-Landesregierung möge den Mut haben, sich aus besserer Einsicht gegen ihre Kanzlerkandidatin Angela Merkel zu stellen, sagte Pauly-Bender am Montag in Wiesbaden.

Mit ihrer Gegnerschaft gegenüber dem nun im Bundestag endlich verabschiedeten korrigierten ADG habe sich Merkel ein frauenpolitisches Armutszeugnis ausgestellt. „Dies zeigt zweierlei. Erstens: CDU/CSU und ihre Spitzenkandidatin sind noch nicht in der frauenpolitischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts angekommen. Zweitens: Die Nominierung einer Kanzlerkandidatin ist keine Garantie für eine geschlechtergerechte Politik.“

Wer wie CDU/CSU und FDP im Deutschen Bundestag auch das nunmehr korrigierte ADG ablehne, zeige sein wahres frauenpolitisches Gesicht. „Mit vorgeschobenen Gründen wurde der erste wirksame Schritt zur Bekämpfung von Diskriminierung wegen des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der sexuellen Identität, Behinderung, Alter oder Religion/Weltanschauung im Arbeitsleben und in der Zivilgesellschaft von Schwarz-Gelb abgelehnt“, sagte Pauly-Bender. Die vielfältigen immer noch bestehenden Diskriminierungen wegen des Geschlechts und der anderen Diskriminierungsmerkmale würden schlicht ignoriert.

„Wer nicht sehen will, dass in Deutschland Frauen trotz bester Qualifikation in den Spitzenfunktionen von Wirtschaft und Verwaltung immer noch mit der Lupe gesucht werden müssen, ist entweder auf dem frauenpolitischen Auge blind oder will diesen Zustand verfestigen. Die Erfahrungen aus anderen Ländern, wie z.B. Schweden oder Großbritannien, zeigen, dass es auch anders geht – auch ohne Bürokratie und ohne Prozesslawinen. Diesen Anforderungen trägt das ADG ebenso Rechnung wie der Anforderung, wirksam vor Diskriminierungen zu schützen.“