Auszüge aus der Rede der frauenpolitischen Sprecherin Dr. Judith Pauly-Bender zur Resolution betreffend Zwangsprostitution. Es gilt das gesprochene Wort.

„Der Hessische Landesfrauenrat hat mit Blick auf die WM in Hessen einstimmig eine Resolution gegen die Zwangsprostitution und dem in diesem Zusammenhang stehenden Menschenhandel verfasst. Die Resolution lautete ebenso wie die heute hier als Dringlicher Antrag vorliegende Parlamentsresolution ganz entsprechend den Erklärungen und Beschlüssen des Bundesfrauenrates.

Die SPD-Fraktion ist der Auffassung, dass diese heutige Resolution dem Hessischen Landtag als gemeinsamer Beschluss gut ansteht. Im Themenspektrum Kampf dem Menschenhandel hat unser Bundesland in Parlament und Landesregierung eine gute Tradition und einen jahrelangen Vorlauf. Seinerzeit durch das Parlament in der 14. Periode angeregt, hat sich bei uns früh ein entsprechender ressortübergreifender Fachausschuss gebildet, der seitdem unter der Federführung des Sozialministeriums regelmäßig tagt und unter Einbindung der hessischen Initiativen in diesem Bereich der Arbeit für die Durchsetzung von Menschenrechten fruchtbar arbeitet.

Heute geht es in diesem Antrag um die Herstellung von Öffentlichkeit und Problembewusstsein unter den Freiern. Das Motto ist Hinschauen und Partei ergreifen. Der Anlass der WM in Hessen ist herausgegriffen, weil der Sport eine der wichtigsten Leitkulturen unserer Gesellschaft ist, die Sportvereine Massenorganisationen und die Sportler und Sportlerinnen Idole und Vorbilder für Jung und Alt sind. FunktionärInnen, SportlerInnen und Sportbegeisterte sollen mitgerissen werden, aus einem plakativen Anlass heraus in dieser Kampagne mitzuwirken, für elementare Menschenrechte einzutreten.

Prostitution in Deutschland ist eben in vielen Fällen kein freiwilliges Geschäft. Das Bundeskriminalamt kann Zahlen anführen, die nicht viel übrig lassen von der schönen bürgerlichen Illusion, dass Prostitution ein Geschäft sei wie jedes andere, nämlich der freiwillige Verkauf einer Dienstleistung. Nur jede dritte ausländische Prostituierte „wusste oder ahnte, was sie in Deutschland erwartet, jede sechste Frau (wurde) sogar mit Gewalt gekidnappt und über die Grenze geschafft“ – das sind 30 000 Frauen pro Jahr, die nach Deutschland kommen, die meisten aus Osteuropa. Wenn von Zwangsprostitution die Rede ist, geht es also nicht um ein Randphänomen, sondern um einen großen Teil des Geschäftes mit dem Sex.

Die Kampagne soll Zwangsprostituierten helfen, nicht die freiwillige Prostitution kriminalisieren. Die Kampagne soll Freier darauf aufmerksam machen, dass erzwungene Prostitution für die Frauen die Hölle ist. Die Resolution will Öffentlichkeit dafür herstellen, dass eben auch die Freier Mitverantwortung für erzwungene Prostitution haben und ergreifen müssen.

Massensport und Prostitution haben mehr miteinander zu tun, als man gemeinhin denkt. Bei den Olympischen Spielen etwa hielten sich nicht nur Sportler aus aller Welt in Athen auf, sondern auch unzählige Frauen, die ihren Körper verkauften. Oft alles andere als freiwillig. Ähnlich wird es, davon sind Fachleute überzeugt, auch 2006 in Deutschland laufen. Mehr als 30 000 Frauen, meist aus Osteuropa, könnten in die WM-Städte geschleust werden, um dort anzuschaffen, warnte die Frauenbeauftragte des Deutschen Städtetags bereits im Frühjahr. Auch beim Bundeskriminalamt heißt es, “natürlich richten sich Bordellbetreiber auf solche Großereignisse ein”.

Mit unserem Antrag setzen wir ein Zeichen. Es wird spannend zu beobachten, ob Herr Meyer-Vorfelder noch in der Lage sein wird, angesichts von Parlamentsbeschlüssen seinen bisher recht beschränkten Blick auf das Thema zu erweitern.“