Zu den Anweisungen des Kultusministeriums zum Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach nimmt die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender kritisch Stellung:
Dem Schulträger fehlt zeitlicher Vorlauf. Mit Frau Wolf sind wir und unsere Schulpolitiker in den Kommunen der Auffassung, dass zurückgehende SchülerInnenzahlen und steigende Qualitätsanforderungen Anlass sind, über die bisherige Schulorganisation des Kreises nachzudenken. Die Aufrechterhaltung aller Schulstandorte und aller bisherigen Leistungsangebote ist kein Selbstzweck. „Nach meiner Überzeugung ist hier jeder Schulträger in Hessen bereit mit zu tun.“ Der SPD-Landtagsabgeordneten geht es aber um das Wie dieses Umstellungsprozesses: So habe die Anordnung der Kultusministerin für den Kreis Offenbach empfindliche Umgereimtheiten zur Folge, die die Vertreterinnen und Vertreter des Kreises gegen die Anordnungen vom grünen Tisch in Wiesbaden vortragen müssten:
- Beispiel Georg-Büchner-Schule , Rodgau-Jügesheim
Im Kreis Offenbach kommen nach den eigenen Zahlen des Wiesbadener Kultusministeriums unter-durchschnittlich wenige Mittel für Ganztagsangebote an. (Der Kreis Offenbach liegt mit seiner nur 20%igen Versorgung an drittschlechtester Stelle in ganz Hessen.) Trotzdem werden Schulen die we-nigstens eine Mittagsversorgung bezuschusst bekommen wollen, Mittel aus Wiesbaden versagt. Wie kann das sein?
- Beispiel Brüder-Grimm-Schule, Neu Isenburg
Sogar gegen die einvernehmliche Stellungnahme der großen Koalition im Kreishaus wird ein von allen gewünschter Schulstandort in Frage gestellt, der nach der örtlichen Kenntnis nur als sinnvoll bezeichnet werden kann.
- Beispiel Gerhart-Hauptmann-Schule auf Seligenstädter Gemarkung
Die Anweisungen des ministeriellen Erlasses beispielsweise für den Ostkreis drohen die bisherigen Planungen des für die Räume verantwortlichen Schulträgers mit den Planungen des Ministeriums auf Kosten des Steuerzahlers und der SchülerInnen zu konterkarieren: Mit der Gerhart-Hauptmann-Schule, soll eine Schule „stillgelegt“ werden, die bei den Haupt- und Realabschlussprüfungen hessenweit hervorragend abgeschlossen hat und vor kurzem für Millionen saniert wurde. Die Dependancelösung Me-rianschule mag für die Seligenstädter Betroffenen plausibel sein, beschwert aber die Orte Mainflingen, Zellhausen und Klein Welzheim, das bisherige Einzugsgebiet dieser – früher auch Mittelpunktschule genannten- Schule Gerhart Hauptmann.
- Beispiel Förderstufe Hainburg
Es muss sichergestellt werden, dass für alle Kinder, die eine Förderstufe benötigen, eine solche auch in erreichbarer Nähe ist. Eine Anordnung zum ersatzlosen Abbau der Förderklassen der Johannes-Gutenberg-Schule kann dies nicht sicherstellen, weil an der Kreuzburgschule keine Förderklassen entstehen werden.
Gut wäre gewesen, dem Träger einen längeren Vorlauf zu geben, seine bisherigen Planungen und baulichen Maßnahmen mit der Wiesbadener Kultusbehörde abzustimmen.
Mit dem Rechenschieber lässt sich keine qualitätsbewußte, an den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und Lehrer ausgerichtete Schulentwicklung planen. Die im neuen § 144a des Hessischen Schulgesetzes so genannten Richtwerte zur Klassenbildung muss das Ministerium überdenken. Faktisch wurden die Mindestgrößen der Klassen deutlich nach oben geschoben ohne zu prüfen, ob nicht durch eine vernünftige Arbeitsteilung Qualität, Pluralität und Förderansätze erreicht werden können, wenn der Träger und die Schulen sich an einen Tisch setzen.
Spannend vor diesem Hintergrund ist der Weg des Kreis Offenbacher Schulträgers, der jetzt am Beispiel der beruflichen Schulen Möglichkeiten herausfinden will, neue, arbeitsteilige Wege mit den Schulen zu gehen.
Dergleichen gute Willen der Träger vor Ort hätten eine aktive Unterstützung aus Wiesbaden verdient. Kein vernünftiger Mensch will im Kreis Offenbach auf Biegen und Brechen Schulstandorte halten, die nicht lebensfähig sind. Allerdings muss vor Ort auch nachvollziehbar sein, dass Wiesbaden nicht dazwischenfunkt, um die Schullandschaft kaputt zu sparen.
Dass sich die Schulträger in Zeiten sinkender Schülerzahlen erfolgreich in Abstimmung mit den örtlichen Bedürfnissen um Gerechtigkeit, Qualität, Angebotsvielfalt bemühen können, wenn die Kultusbürokratie ihnen hierfür nur den nötigen zeitlichen Vorlauf lässt, lässt sich mit einem Blick in den Darmstädter Raum belegen. Hier haben sich der Kreis und die Stadt mit langem Vorlauf und zwischenzeitlich guten Ergebnissen zusammengetan, um ein vernünftiges Zusammenwirken im Interesse der genannten Kriterien zu organisieren. Warum sollte das im Kreis Offenbach nicht gelingen?