Die von der Hessischen Landesregierung geplanten Studiengebühren drohen „Rhein-Main-Kindern“ davon abzuhalten, ein Studium an den umliegenden Universitäten wie Frankfurt oder Darmstadt aufzunehmen, obwohl viele der jungen Leute an sich gerne in der Region blieben. Fachleute warnen dieser Tage, die Immatrikulationszahlen könnten an den hessischen Universitäten bereits zum nächsten Semester empfindlich zurückgehen.

Die Rodgauer Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender (SPD) sieht dies als Problem mit verschiedenen Auswirkungen: Sinkende Studierendenzahlen im Rhein-Main-Gebiet seien zum einen vor dem Hintergrund der hiesigen Arbeitsplatzsituation besonders schwierig, da gerade hier „Kopfarbeiter“, d.h. sehr gut ausgebildete Menschen wichtig seien. „Ein Abwandern von jungen Menschen an andere Studienorte ohne oder mit geringeren Kosten für ein Studium schwächt unsere Region insgesamt“, befürchtet die Abgeordnete. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern führten schon zu „Schutzüberlegungen“ der Nachbarländer, um Studentenwanderungen durch Pendler zum Beispiel aus Hessen zu unterbinden. So will Rheinland-Pfalz sein Studienmodell mit gebührenfreiem Erststudium allein auf so genannte “Landeskinder” begrenzen, während alle anderen in Zukunft auch für das Erststudium Studiengebühren entrichten sollen. StudentInnen, die sich Studiengebühren nicht leisten können, bliebe also dann nur der Studienverzicht oder ein Umzug.

Zudem würden zuerst diejenigen potentiellen StudentInnen von einem Studium abgehalten, die nicht aus wohlhabenden Familien stammten und daher weder Studiengebühren noch einen Umzug finanzieren können. „Bereits heute sind Studierende aus Elternhäusern mit niedrigem Einkommen viel seltener als Studierende aus reicheren Familien, diese Ungleichheit wird durch die Pläne der Landesregierung zukünftig noch verschärft.“ meint Pauly-Bender, „Dabei sollte doch eigentlich die Intelligenz eines Menschen darüber entscheiden, ob er studieren kann und nicht der Geldbeutel der Eltern.“

Auch eine Verbesserung für die Hochschulen –wie von den Befürwortern angeführt- wird von vielen Experten bezweifelt. Viele Universitätsgremien haben sich selbst gegen Studiengebühren ausgesprochen, weil die nachteiligen Auswirkungen überwiegen. „Wenn also noch nicht einmal die Universitäten selbst davon profitieren, während die Region insgesamt geschwächt und die Chancengleichheit weiter verschlechtert wird, machen Studiengebühren wirklich keinen Sinn. Daher wird die hessische SPD nach einem Sieg bei den nächsten Landtagswahlen die von Roland Koch geplanten Studiengebühren umgehend wieder abschaffen“, so Pauly-Bender.