Die Rodgauer Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender zieht vor den Winterferien eine negative Bilanz der so genannten Unterrichtsgarantie plus. „Das Ganze ist ein großer Bluff der Kultusministerin und der Landesregierung, mit dem sie versuchen, den Menschen ein X für ein U vorzumachen“, so Pauly-Bender. Sie stützt sich dabei sowohl auf persönliche Gespräche mit Eltern und SchülerInnen als auch auf eine repräsentative Umfrage der SPD-Landtagsfraktion, in der deutlich wird, was die Eltern wirklich von diesem Angriff auf die Qualität des Unterrichts halten. 68 Prozent der Befragten mit schulpflichtigen Kindern im Haushalt halten die Idee nicht für sinnvoll, Fachunterricht durch Personen erteilen zu lassen, die keine Lehrkräfte sind. Dieses Ergebnis deckt sich mit der Resolution, die der Landeselternbeirat in seiner Sitzung am 9.Dezember einstimmig beschlossen hat: „Die Eltern lehnen den Einsatz von nicht pädagogisch ausgebildeten Lehrkräften ab.“
Kurz gesagt: Wo Unterricht drauf steht, müssen Lehrer drin sein, wo ausgefallener Unterricht durch Betreuung ersetzt wird, sollte niemand – vor allem nicht die Kultusministerin – von Erfüllung der Stundentafel reden.
Mit dem Sündenfall der Operation düstere Zukunft hat die Landesregierung 1000 Lehrerstellen gestrichen, die für den Unterricht gebraucht werden. Ihre jetzige Zahlenakrobatik über die Zahl derer, die sich für einen Vertretungspool gemeldet haben, täuscht nicht darüber hinweg, dass die wenigsten davon eine abgeschlossene Ausbildung für ein Lehramt haben. Die Landesregierung nimmt bewusst in Kauf, dass die Qualität des Unterrichts sinkt, um von ihrem eigenen Versagen bei der Lehrerversorgung abzulenken.
Die Landesregierung unter Roland Koch es nicht geschafft, ihre vielfach versprochene 100prozentige Unterrichtsversorgung sicherzustellen und will davon ablenken, indem sie Hausmeister und Oberstufenschüler, arbeitsüberlastete Referendare und pädagogische Laien in die Klassen schicken. Was dort passiert und ob es die Schüler und Schülerinnen weiterbringt, ist nicht Gegenstand ihrer Bilanzen und offensichtlich auch für die Kultusministerin nicht von Interesse. Schließlich wurde die Verantwortung erfolgreich auf die Schulen abgewälzt, die den Sündenbock spielen sollen, wenn Aushilfskräfte mit ihrer Aufgabe vor einer Klasse überfordert sind oder wenn der von der Landesregierung garantierte Unterricht trotzdem ausfallen muss.
Auch hier ist die Wahrnehmung der Bevölkerung eine andere als die Botschaft von Ministerin Wolff. Auf die Frage, ob und wie der Unterrichtsausfall sich in letzter Zeit verändert habe, sagen 69 Prozent der Eltern, der Unterrichtsausfall sei gleich geblieben, 18 Prozent empfinden sogar, es falle mehr Unterricht aus.
Liest man dazu die Presseinformation des Kultusministeriums vom 6. Dezember: „Stundenausfall in den Promillebereich gedrückt“, ist die Reaktion ungläubiges Staunen. Aber vielleicht soll dies ja auch ein Hinweis an die Eltern sein, dass nach dem Genuss von alkoholischen Getränken auch der Glaube an die Unterrichtsgarantie leichter fällt.