Als „vertane Zeit“ bezeichnete die SPD-Abgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender die in Hainburg heute stattgefundene Anhörung zum Kraftwerksneubau am Standort Staudinger. Nach ihrer Ansicht hätte das erforderliche Raumordnungsverfahren bereits angestrengt werden können – sowohl von Seiten der Landesregierung als auch von EON selbst. Judith Pauly-Bender forderte zudem ein „energiewirtschaftliches Moratorium“, in dem geprüft werden solle, ob einerseits Alternativen zur geplanten Energieerzeugung realisiert werden könnten – mit regionaler Wertschöpfung und entsprechend dem Energiekonzept der hessischen SPD. Andererseits müsse nunmehr schnellstens das länderübergreifende Raumordnungsverfahren angestrengt werden.

Die Gegner des Kraftwerkneubaues hätten insbesondere der Idee eines Vertrages zur Absicherung von Umweltrechten eine Absage erteilt. Zu Recht, so Pauly-Bender, denn wo der Rechtstaat respektiert und die Landesregierung ihrer Verantwortung gerecht werde, bedürfe es solcher Verträge nicht.

Aus klimapolitischen Gründen müsse erkannt werden, dass eine energiewirtschaftliche Zeitenwende hin zu dezentraler Energieversorgung und erneuerbaren Energien anstehe. Es sei eine „Energielüge“, dass das Potenzial der erneuerbaren Energien zur Energieversorgung nicht ausreiche oder zu teuer sei. Aufgrund der Umweltfolgeschäden und weiterer Gefahren sei für die Gesellschaft nichts teurer als die Struktur von Großkraftwerken.

Fossile Energien dürften für die Übergangszeit nur noch eingesetzt werden, wenn eine volle energetische Ausnutzung der bei der Produktion anfallenden Wärme gewährleistet sei. Scheer: „Das Kraftwerk Großkrotzenburg sollte daher auf 300 Megawatt begrenzt werden, damit eine Wärmeauskopplung möglich ist.“ Der Standort Großkrotzenburg sollte nach Pauly-Benders Ansicht „regionales Zentrum für Biogasverstromung“ werden. Das schaffe mehr Arbeitsplätze als durch den Verzicht auf das Großkraftwerk verloren gehen.