Gegen Einkommens- und Arbeitszeitdiktate der hessischen Landesregierung!
Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,
der Gesetzentwurf für Einmalzahlungen und Einkommensveränderungen für Tarifbeschäftigte des Landes entlarvt einmal mehr das mangelnde Demokratieverständnis von Roland Koch und seinem Innenminister.
Das Gesetz bedeutet konkret: Wieder ein Stück Demokratie weniger, wieder ein Stück mehr Obrigkeitsstaat.
Offenbar wollen Roland Koch und Volker Bouffier nun das seit Jahrzehnten bewährte Tarifsystem abschaffen, indem sie nicht mehr den konstruktiven Dialog und Verhandlungsergebnisse mit den Gewerkschaften suchen, sondern nach Gutsherrenart mit ihrer Mehrheit per Gesetz auch den Angestellten und Arbeitern künftig die Arbeitsbedingungen diktieren.
Das muss verhindert werden!
Natürlich haben die Beschäftigten des Landes einen Anspruch auf Teilhabe an der Einkommensentwicklung. Aber darüber entscheiden hierzulande die Tarifpartner gemeinsam und nicht einseitig die Arbeitgeber in gönnerhafter Herablassung. Noch niemand außer Roland Koch hat es bislang gewagt, die Tarifpartnerschaft für den öffentlichen Dienst faktisch außer Kraft zu setzen.
Leider überrascht dieses Vorgehen der Landesregierung nicht. Vielmehr steht es in einer Reihe mit ständigen Beeinträchtigungen der Mitbestimmung und der Arbeitsbedingungen, die von dieser Landesregierung vorangetrieben wurden, wie zum Beispiel:
- die Einschnitte in die Rechte der Personalräte und Frauenvertretungen
- der Austritt aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder
- die aufgezwungene Verlängerung der Wochenarbeitszeit und
- der unsinnige Stellenabbau in vielen Bereichen der Landesverwaltung
Und jetzt geht es der Landesregierung darum, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes Hessen gegeneinander auszuspielen und die Gewerkschaften in ihrer Verhandlungsposition und damit in ihrer verfassungsmäßigen Stellung zu schwächen.
Wir wollen den fairen Ausgleich der Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Arbeitgebern im Rahmen der Tarifautonomie – und was wir in der freien Wirtschaft für selbstverständlich halten, muss auch für den Öffentlichen Dienst gelten. Mit der Hessen-SPD wird es weder tarifpolitische Alleingänge noch solche Missachtungen des Tarifvertragsprinzips geben. Auch deshalb braucht Hessen einen Regierungswechsel. Nach der Landtagswahl am 27. Januar 2008 wird Hessen mit mir als Ministerpräsidentin wieder in die Tarifgemeinschaft der Länder zurückkehren.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea Ypsilanti, MdL
Landesvorsitzende und SPD-Spitzenkandidatin