Mit neuen Strukturen und Konzepten will die SPD die gesundheitliche Versorgung zukunftsfest machen. „Die Kommunen spielen eine entscheidende Rolle, weil sie die Bedürfnisse der Menschen und die regionalen Besonderheiten am besten kennen,“ sagte die Landtagsabgeordnete Dr. Judith Pauly-Bender unter Verweis auf die von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebene Studie der beiden Fuldaer Professoren Greß und Stegmüller ‚Gesundheitliche Versorgung in Stadt und Land – ein Zukunftskonzept’. Mit den darin beschriebenen Maßnahmen soll die fachärztliche und ärztliche Unter- bzw. Überversorgung bekämpft werden.
Auch für die Kommunen im Kreis Offenbach sei diese Studie wegweisend. „Wir haben auch bei uns fachärztlich überversorgte und unterversorgte Kommunen, für die die in der Studie aufgezeigten neuen Steuerungsinstrumenten von großem Interesse sein können“, verweist Pauly-Bender.
Nach dem Konzept der beiden Professoren soll die zentrale Verantwortung für die gesundheitliche Versorgung auf neu zu schaffende regionale Versorgungskonferenzen unter kommunaler Beteiligung übergehen. „Diese Konferenzen bekommen nach diesem Vorschlag ein eigenes Budget und umfassende Kompetenzen, um Unter- bzw. Überversorgung zu verhindern“, erläuterte Pauly-Bender. Durch die Einbeziehung aller Leistungserbringer, also der Ärztinnen und Ärzte, aber auch der Physiotherapeuten, von Hebammen und anderen, der Krankenkassen, der Krankenhäuser und der Kommunen würde eine übergreifende Zusammenarbeit erreicht, die es bisher nicht gebe. Das würde dann der Vergangenheit angehören“, so Pauly-Bender.
Derzeit behalten bereits überversorgte Teilregionen eine hohe Zahl von Ärztinnen und Ärzten, während es in anderen Kommunen Mangel gibt. „Wenn die Versorgungskonferenzen die Kompetenz erhalten, auf die Nachbesetzung von Vertragsarztsitzen zu verzichten, können wir der Überversorgung einen Riegel vorschieben. Gleichzeitig kann dann im unterversorgten Bereich eine neue Praxis zugelassen werden, ohne dass Mehrkosten entstehen“, erläuterte die Sozialdemokratin. Darüber hinaus sollten die regionalen Versorgungskonferenzen die Möglichkeit erhalten, den Kontrahierungszwang, also die Verpflichtung mit allen zugelassenen Ärztinnen und Ärzten abrechnen zu müssen, aufzuheben. Auch auf diese Weise könnte Überversorgung abgebaut werden.
Für die fachärztlich unterversorgten Kommunen, in denen die Niederlassung für Ärztinnen und Ärzte derzeit finanziell wenig attraktiv ist, wäre die Einrichtung von primärärztlichen Versorgungszentren, bei denen angestellte Ärztinnen und Ärzte arbeiten, ein weiteres Lösungsmodell.
Auch für einen Teil der Hausbesuche macht die Studie einen gut umsetzbaren Vorschlag. „Ähnlich dem früheren Modell der Gemeindeschwester könnten speziell ausgebildete Fachkräfte Patientinnen und Patienten zu Hause besuchen und im Auftrag des Arztes oder der Ärztin Teilbefunde erheben, Blutabnahmen erledigen oder den Gesundheitszustand des Patienten oder der Patientin auch mit Hilfe der Möglichkeiten der Telemedizin beurteilen“, erklärte Pauly-Bender und äußerte die Erwartung, dass die vorhandenen Probleme gelöst werden können. „Wir müssen allerdings auf allen Ebenen – nicht nur in der Kommunen, sondern auch in Bund und Land – die Dinge in Angriff nehmen“, so Pauly-Bender abschließend.