Die schwarz-gelbe Landesregierung Hessens will alle Schulbehörden zu einem zentralistischen Landesschulamt in Wiesbaden zusammenlegen. Die Zentralisierung solle der Entbürokratisierung dienen. In der vergangenen Woche erfolgte diesbezüglich eine überstürzte Gesetzeseinbringung im Hessischen Landtag sowie auch gleich eine Sondersitzung des Kulturpolitischen Ausschusses dazu. Unter dem Titel „Schulverwaltungsorganisationsstrukturreformgesetz“ sollen 15 Schulämter sowie das Institut für Qualitätsentwicklung und das Amt für Lehrerausbildung in Wiesbaden zusammengeführt werden. Die bisherigen Schulämter sollen zwar an ihren Standorten mit Beratungsfunktionen verbleiben, alle Entscheidungskompetenzen jedoch nach Wiesbaden verlagert werden.
Ob diese Reform tatsächlich zur Entbürokratisierung beitragen wird? Dr. Judith Pauly-Bender, SPD-Landtagsabgeordnete aus Rodgau, hat nicht nur daran ihre Zweifel. Sie sieht in dieser Reform „mit dem keineswegs unbürokratischen Namen“ auch nicht die benötigte Unterstützung für die Schulen: Lange Entscheidungswege, die sich nicht an den regionalen Gegebenheiten orientieren können, würden die Folge sein. „Schon die vor zwei Jahren erfolgte zentrale Lehrerzuweisung aus Wiesbaden war der falsche Weg, aber bereits ein Vorbote für die jetzt geplante zentralistische Schulverwaltung! Schulen benötigen aber gerade auf dem Weg zur neuen Selbstständigkeit kompetente Ansprechpartner mit Entscheidungsbefugnis vor Ort. Mit diesem Abzug aus der Fläche werden die gute Zusammenarbeit und die kurzen Wege zwischen Schulämtern und Schulträgern ohne Grund aufs Spiel gesetzt. Regionale Schwerpunkte aufzugreifen oder kleine Schulstandorte durch individuelle Konzepte bzw. flexible Zuweisungen zu retten, wird so in den einzelnen Regionen nicht mehr möglich sein,“ befürchtet die Abgeordnete, die sich bereits in der Vergangenheit mehrfach für den Erhalt der Schulämter in der Fläche und damit auch konkret für den Kreis und die Stadt Offenbach eingesetzt hat. Wie so oft werde der Zentralismus entgegen der Ankündigung der Landesregierung tatsächlich zu mehr Bürokratie führen und das neu geschaffene Landesamt wahrscheinlich noch zusätzliche hochdotierte Stellen in der Landeshauptstadt schaffen. Dies sei nicht der richtige Weg zu guter Bildung, denn statt Stärkung einer einzigen zentralen Planungs- bzw. Entscheidungsstelle bedürfe es für gute Bildung vielmehr der Stärkung der Schulen und Beteiligten vor Ort.
Pauly-Bender kritisiert zudem die überstürzte Gesetzeseinbringung in der vergangenen Woche: Dies zeige, dass man wieder einmal Fakten schaffen wolle, ohne die Beteiligten mit einzubinden.
