Dr. Judith Pauly-Bender, Statement für die SPD-Landtagsfraktion
Das Sonderthema Mensch und Hund bezieht sich auf ein tiefes menschliches Bedürfnis und ist bis auf den heutigen Tag ein ausgesprochenes Volksthema geblieben. So wird auch in Hessen Hundehaltung von Tausenden von Menschen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebensformen gelebt; der Hund als Haustier erfüllt dabei eine Vielzahl wichtiger sozialer Funktionen. Die Wirtschaft hat an das Bedürfnis angeknüpft, und Hundehaltung ist zum milliardenschweren Wirtschaftsfaktor geworden. In den Hundewunsch verwickelt werden sogar solche Menschen, die bis zum Kauf des Hundes eigentlich noch gar nicht abgeschätzt hatten, was ihnen mit der Übernahme eines Hundes täglich und auf bis zu zwei Jahrzehnte abverlangt wird, um ein in der Öffentlichkeit akzeptierter Halter zu sein. Wurde früher, wenn die Halter ihre Hunde nicht sicher führen konnten, die Verantwortung in rassedefinitierten Erscheinungsmerkmalen von Hundetypen gesucht, ist heute klar, dass die öffentliche Ordnung und Sicherheit ebenso wie die Interessen des abhängigen Tieres die konsequente Inpflichtnahme eines jeden Halters für sein Tier unumgänglich machen. Hunde, die störend oder gar als gefährlich auffällig werden, sind, egal welcher Rasse oder welchen Mixes, beklagenswerte Opfer eines mit der Führung überforderten oder gar zur ordentlichen Führung nicht bereiten Halters. Moderne Hundegesetze, wie beispielsweise das neue niedersächsische Hundegesetz, setzen folgerichtiger Weise beim Halter an und verlangen aktive Verantwortungsübernahme rundum, konkret Hundekunde, Halterwissen und letztlich Halterdisziplin als die entscheidenden Voraussetzungen für die artgerechte und sozial akzeptierte Hundeführung. Tierschutz und das gute öffentliche Miteinander (von Menschen mit und ohne Hund, sowie unter den unterschiedlichen Hundehaltern) gebieten nach dieser Auffassung, dass jeder Hundehalter, insbesondere der Ersthundehalter, das nötige Wissen und die Möglichkeiten parat haben, seinen Hund, ob groß, klein, temperament- oder anspruchsvoll, ängstlich oder in der individuellen Anlage hart, gleichermaßen tierschutzgerecht und sozialverträglich zu führen.
Die SPD Landtagsfraktion in Hessen hat das Thema mit den hessischen Tierschutzorganisationen und anerkannten Kynologen seit August 2010 in sehr gut frequentierten parteiübergreifenden öffentlichen Veranstaltungen (August und November 2010) und zahlreichen Fachgesprächen in 2011 bearbeitet. Sie will mit Akzeptanzarbeit zu einer neuen hessischen Regelung beitragen, die Hundekunde für alle, insbesondere für den neuen Hundehalter, verbindlich zu machen. Dies setzt unseres Erachtens voraus, dass die Politik im Benehmen mit den Verbänden des Tierschutzes, der Hundezucht, dem Hundesport, den sogenannten Hundetrainern (die eigentlich Menschen trainieren), des Wachhunde -und Polizeihundewesens einig wird, wie die Regeln im einzelnen dazu aussehen müssen. Wo die tierschutzethische Verantwortung der Politik gefragt ist, muss die parteipolitische Profilierung zurückstehen. Hunde, wie alle anderen Tiere, sind der menschlichen Verantwortung anvertraute Lebewesen. Die Politik hat alleine schon aus Tierschutzgründen die Pflicht, das Thema Hund nicht zum Gegenstand für Wutbürgerdialoge werden zu lassen.